JOBTIPPS AM ARBEITSPLATZ: STRESSBEWÄLTIGUNG

Headerbild zum Thema Stressbewältigung am Arbeitsplatz

STRESS UND BELASTUNGEN AM ARBEITSPLATZ

Stressbewältigung durch betriebliches Gesundheitsmanagement und durch kleine Selbstmaßnahmen

Sebastian Schrenk, Berater bei der Retencon AG über das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz.

Sebastian Schrenk ist Wirtschaftspsychologe und Experte für die psychische Gefährdungsbeurteilung. Er hat sich in den letzten Jahren mit der Wirkung von positiven Emotionen in der Arbeitssituation auseinandergesetzt.

Herr Schrenk, man hört immer mehr in den Medien, dass die allgemeine Arbeitsbelastung immens zunimmt und somit die Gesundheit der Arbeitnehmer gefährdet.
Das stimmt. Durchschnittlich ist ein Arbeitnehmer über 12 Tage im Jahr krank. Dabei treten Muskel-Skelett-Erkrankungen am häufigsten auf, gefolgt von Atemwegs- und psychischen Erkrankungen. Gerade auf die psychischen Erkrankungen sollte man ein besonderes Augenmerk haben, da die Krankheitsdauer dreimal so lang ist wie bei physischen Problemen und es mittlerweile die häufigste Ursache bei krankheitsbedingter Frühberentung darstellt.  

Sebastian Schrenk

Sebastian Schrenk, Retention Management Berater bei der ReTeCon AG

"Durchschnittlich ist ein Arbeitnehmer über 12 Tage im Jahr krank."

RETENCON AG
Freystraße 4
80802 München

So wie sich das anhört, klingt es für viele Arbeitnehmer schwierig überhaupt bis zum Rentenalter von 67 Jahren durchzuhalten. Was kann dagegen unternommen werden?
In erster Linie, ist jeder für sich und seine Gesundheit selbst verantwortlich. Trotzdem hat auch der Arbeitgeber Verantwortung zu tragen, dass Arbeitsschutzmaßnahmen bei allen Tätigkeiten beachtet werden und die Beschäftigten ihrer jeweiligen Mitwirkungspflicht nachkommen können. Darüber hinaus ist das Thema Gesundheit auch zu einem wichtigen Faktor in Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität geworden, sodass sich Unternehmen immer mehr mit dem Thema eines Betrieblichen Gesundheitsmanagement auseinandersetzen müssen. Denn die Basis eines erfolgreichen Unternehmens sind vor allem gesunde und motivierte Mitarbeiter.

Welche Vorteile hat denn ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) für Mitarbeiter?
Diese sind sehr vielfältig und auch abhängig davon wie ein Unternehmen die Umsetzung eines BGM durchführt. In der Regel sind jedoch Verbesserungen der gesundheitlichen Bedingungen und des Betriebsklimas zu beobachten. Dies hat wiederum zur Folge, dass weniger Arztbesuche in Anspruch genommen werden, die Mitarbeiterzufriedenheit sich erhöht und die Mitarbeiter Einfluss darauf haben Ihren Arbeitsplatz wie auch den Arbeitsablauf mitzugestalten.

Reichen denn schon einzelne Gesundheitstage zur Verringerung der Arbeitsbelastung aus?
Gesundheitstage sind wichtig, um Mitarbeiter für ein bestimmtes Thema zu sensibilisieren und auf ein entsprechendes Angebot aufmerksam zu machen. Es sollte aber klar sein, dass Einzelmaßnahmen wie Jogakurse, Rückenschule, Antistresskurse etc. für die Mitarbeiter noch kein gesundes und stressfreies Arbeitsumfeld schaffen. Ein BGM sollte von Unternehmen als ganzheitliche, strategische Aufgabe verstanden werden und systematisch in alle Unternehmensprozesse und Bereiche integriert und an Veränderungsprozesse angepasst werden. Aber auch der einzelne Mitarbeiter hat Verantwortung für sich und seine Gesundheit zu tragen, sodass z. B. einzelne Gesundheitstage für Joga als Anreiz genommen werden können, dies in der Freizeit weiter zu intensivieren.  


"Das Thema Gesundheit ist zu einem wichtigen Faktor in Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität geworden."


Es kommt auch immer mehr zu langfristigen Erkrankungen über mehrere Wochen Wie können Betroffene wieder ins Arbeitsleben finden?
Hierfür gibt es das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig, so ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet (§ 84 Abs. 2 S. 1 SGB IX) ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Ziel ist es, die Arbeitsunfähigkeit des Betroffenen zu überwinden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und den Arbeitsplatz zu erhalten.

Welche konkreten Maßnahmen gibt es?
Die Maßnahmen können sehr unterschiedlich sein. Bei Überwindung der Arbeitsunfähigkeit stehen Möglichkeiten wie die Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen oder stufenweise Wiedereingliederung zur Verfügung. Zur Vorbeugung erneuter Arbeitsunfähigkeit können Arbeitsplatzanalysen, Gefährdungsbeurteilung, Zuschüsse für Arbeitshilfen im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragt und durchgeführt werden. Bei Erhalt des Arbeitsplatzes bieten sich Maßnahmen wie Bereitstellung von begleitenden Hilfen im Arbeitsleben und technische Arbeitshilfen an. Dazu gehört auch die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes und -umfeldes, Arbeitszeit oder auch Pausengewährung. Aber auch Weiterbildungsund Umschulungsmöglichkeiten eines Mitarbeiters können Möglichkeiten sein, diesen in das Arbeitsleben wieder langfristig und gesund einzubinden.

Wo kann man sich darüber genauer informieren?
Informationen erhalten Betroffene am besten beim Arbeitgeber, bei den Krankenkassen, bei der Deutschen Rentenversicherung oder auch im Internet.

Was können Mitarbeiter tun, um ihre täglichen Arbeitsbelastungen zu verringern?
Die Arbeitsprozesse und -aufgaben in einem Unternehmen sind meistens vorgegeben und lassen sich nicht einfach ohne weiteres umstrukturieren. Trotzdem rate ich Arbeitnehmern offen auf die verantwortlichen Personen zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Des Weiteren kann jeder mit kleinen Hilfen seinen Arbeitstag für sich besser gestalten: am Arbeitsplatz immer wieder mal für frische Luft und ausreichend Helligkeit sorgen, viel Trinken, gesund essen, auf ergonomische Sitzhaltung achten, die Pausenzeiten nehmen oder diese in mehrere kleinen Pausen einteilen. Auch Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil sowohl in den Pausen als auch während der Arbeitszeit. Viele Kleinigkeiten können helfen die Stressempfindung zu verringern. 

GUT ZU WISSEN...

  • Durchschnittlich ist ein Arbeitnehmer über 12 Tage im Jahr krank. Dabei treten Muskel-Skelett-Erkrankungen am häufigsten auf, gefolgt von Atemwegs- und psychischen Erkrankungen.
  • In erster Linie, ist jeder für sich und seine Gesundheit selbst verantwortlich. Trotzdem hat auch der Arbeitgeber Verantwortung zu tragen.
  • Darüber hinaus ist das Thema Gesundheit auch zu einem wichtigen Faktor in Hinblick auf die Arbeitgeberattraktivität geworden. Dafür ist ein betriebliches Gesundheitsmanagement erforderlich
  • Außerhalb dessen kann jeder mit kleinen Hilfen seinen Arbeitstag für sich besser gestalten: am Arbeitsplatz immer wieder mal für frische Luft und ausreichend Helligkeit sorgen, viel Trinken, gesund essen, auf ergonomische Sitzhaltung achten, die Pausenzeiten nehmen oder diese in mehrere kleinen Pausen einteilen.

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