MEET EXPERTS: KARRIERECHANCEN IM HANDWERK

AUS- UND WEITERBILDUNGSMÖGLICHKEITEN IM HANDWERK

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben im Interview "MEET EXPERTS" über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk. Er fördert mit zahlreichen Bildungszentren berufliche Aus- und Weiterbildung und weiß ganz genau welche Karrierechancen der Handwerk bietet.

Herr Wagner, welche Gründe sprechen für eine Karriere im Handwerk?
Das Handwerk spricht den ganzen Menschen an! Kopf – Hand – Herz, abwechslungsreiche und breitgefächerte Tätigkeiten und am Ende des Tages ein individuelles Produkt, das bieten die über 130 Ausbildungsberufe im Handwerk. Hinzu kommt, dass handwerkliche Arbeit überall, auch weltweit, gebraucht wird. Ohne Handwerk geht nichts. Wer dann noch innovativ und pfiffig ist, hat im Handwerk rasch die Möglichkeit sich selbständig zu machen und seine eigenen Ideen als Unternehmer umzusetzen. Darüber hinaus sind die Betriebsgrößen im Handwerk überschaubar, man ist nicht eine Nummer und Humankapital, sondern erfährt als Individuum eine hohe Wertschätzung. Auch die Sicherheit der Arbeitsplätze ist ein großes Plus, denn Handwerksbetriebe sind weit weniger von einer Insolvenz betroffen als andere Unternehmen.

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben über die Karrierechancen im Handwerk

Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben

"Die Klassiker im Handwerk sind die Trias Geselle – Meister – Unternehmer."

Handwerkskammer für Schwaben
Siebentischstraße 52 - 58
86161 Augsburg

Welche möglichen  Ausbildungsformen gibt es im Handwerk?
Die Klassiker im Handwerk sind die Trias Geselle – Meister – Unternehmer. Eine solide handwerkliche Ausbildung, die je nach Vorkenntnissen und Beruf zwei bis dreieinhalb Jahre dauert, ist das Fundament jeder handwerklichen Karriere. Die Ausbildung erfolgt im dualen System, das heißt, dass neben der Ausbildung im Betrieb als weiterer Partner die Berufsschulen im Boot sind und in vielen Handwerksberufen ist auch noch eine überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) stattfindet. Sie sorgt dafür, dass ein Jugendlicher, der beispielsweise den Beruf des Schreiners erlernt und in einer Firma, die Fenster und Türen herstellt, arbeitet, natürlich ertüchtigt wird Möbelstücke zu fertigen und Furniere anzubringen.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten stehen im Handwerk zur Verfügung?
Das Weiterbildungsangebot ist breit gefächert. Königsweg ist und bleibt nach der Gesellenprüfung die Meisterschule und die Meisterprüfung. Sie ist die Eintrittskarte in das Unternehmertum und stellt die beliebteste Qualifizierung für Führungskräfte im Handwerk dar. Betriebs- und Abteilungsleiter sind vielfach Meister. Aber auch der Weg zum Studium an der Universität oder Hochschule ist für Meister und Gesellen offen. Es gibt sehr gute Angebote, die berufsbegleitend möglich sind und auch die Förderwege sind beachtlich. Auch hier ist für die Karriereplanung die Handwerkskammer der richtige Ansprechpartner, denn unsere Fachleute beraten in diesem Segment sehr individuell und zeigen Entwicklungswege auf.

Sind auch Auslandsaufenthalte möglich?

Ja klar, sie sind nicht nur möglich, sondern auch explizit erwünscht. Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) beschäftigt eine eigene Mobilitätsberaterin, die dafür sorgt, dass junge Menschen bereits während ihrer Ausbildung Auslandserfahrungen sammeln können. So ermöglichen wir beispielsweise jungen Steinmetzen Auslandsaufenthalte in Carrara/Italien oder Zimmerer können den Holzhausbauern in Skandinavien über die Schulter schauen.  

Hat man auch in kleineren Unternehmen Aufstiegschancen?
Das ist abhängig vom Tätigkeitsfeld und von den individuellen Voraussetzungen. Wir wissen von Konstellationen, bei denen tüchtige, entwicklungsfreudige Mitarbeiter kleinerer Betriebe mit ihren Chefs Kooperationen eingehen, in Teilzeit für den Betrieb arbeiten und die restliche Zeit bereits die Selbständigkeit erproben können. Hier ist vieles denkbar und wird auch erprobt. Das Handwerk zeigt sich hier sehr offen und klammert sich nicht an hierarchischen Modellen fest.

Wie sieht denn die finanzielle Seite im Handwerk aus?
Da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Das zeigt auch die jüngste Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW). So verdienen 30% der Meister und Techniker mehr als ein durchschnittlicher Akademiker und die meisten verdienen genauso viel wie Bachelorabsolventen. Umgekehrt verdienen sogar 25% der Akademiker weniger als ein Meister. Unternehmer haben da noch andere Verdienstmöglichkeiten, müssen sich aber auch einem höheren Risiko stellen.

Was sollte ein Jugendlicher, der vor dem Schulabschluss steht, beachten?
Ich rate jungen Menschen immer dazu sich vor dem Beginn einer Ausbildung über ein Praktika zu erproben. Das ist einfach Gold wert. So kann man prüfen, ob die Vorstellungen und Wünsche, die man von einem Beruf hat, auch mit der Realität übereinstimmen: macht es wirklich Spaß, bringt man Talent und Ausdauer für den Beruf mit, passen die Rahmenbedingungen (Arbeit im Freien, im Stehen und ähnliches), gefällt mir das Unternehmen...? Die Chancen sind derzeit für junge Menschen sehr gut einen Ausbildungsplatz im Traumberuf zu finden. Doch ich rate auch über den Tellerrand hinaus zuschauen und auch Berufe zu testen, die erst auf den zweiten Blick interessant erscheinen.

GUT ZU WISSEN... 

  • Wer innovativ und pfiffig ist, hat im Handwerk rasch die Möglichkeit sich selbständig zu machen und seine Ideen als Unternehmer zu realisiere

  • Man ist nicht nur eine Nummer, sondern erfährt als Individuum eine hohe Wertschätzung, und Handwerksbetriebe sind weit weniger von einer Insolvenz betroffen als andere Unternehmen

  • Es gibt ein breit gefächertes Weiterbildungsangebot, aber der Königsweg ist und bleibt nach der Gesellenprüfung die Meisterschule und die Meisterprüfung.

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