BERUFSBILD: LOGOPÄDE (M/W/D)

Interview über den Beruf als Logopäde

EIN EMPATHISCHER BERUF

Logopädie vereint Fachwissen aus der Medizin, Sprachforschung und Heilpädagogik.

Wer glaubt, sprechen zu können sei selbstverständlich, der irrt ganz gewaltig. Rund ein Viertel aller Erstklässler haben sprachliche Auffälligkeiten. Und nicht nur Kinder sind von Sprachstörungen betroffen, tatsächlich zählen diese nämlich zu den häufigsten Folgen von Hirnschädigungen, wie sie beispielsweise bei Schlaganfällen oder durch Demenz ausgelöst werden. Hier beginnt die Arbeit eines Logopäden. Als Logopäde (m/w/d) berät und behandelt man Menschen, die Probleme mit der Sprache, Stimme, Aussprache oder dem Redefluss haben. Um die Zusammenhänge zwischen Symptom und Ursache zweifelsfrei herstellen und die dazu passende Therapiemethode empfehlen zu können, braucht jeder Logopäde (m/w/d) eine Menge medizinisches Wissen, weshalb die Ausbildung in dem Medizinalfachberuf sehr anspruchsvoll ist.
Dirk Gerlach, Schulleiter der Berufschule für Logopädie der Bezirkskliniken Schwaben am Bezirkskrankenhaus Augsburg erzählt im Interview "MEET EXPERTS". Er kennt sich mit der Ausbildung zum Logopäden bestens aus. 

Dirk Gerlach, Schulleiter der Berufschule für Logopädie der Bezirkskliniken Schwaben

Dirk Gerlach, Schulleiter der Berufschule für Logopädie der Bezirkskliniken Schwaben

„Ein guter Logopäde verfügt sowohl über fachliche als auch über soziale Kompetenzen.“

Berufsfachschule für Logopädie der Bezirkskliniken Schwaben am Bezirkskrankenhaus Augsburg
Stenglinstraße 2
86156 Augsburg

Was versteht man unter dem Begriff „Logopädische Störungsbilder“?
Das sind die unterschiedlichen Formen der Störungen und /oder Erkrankungen, die im Bereich der Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen auftreten. 
Störungsbilder sind z.B. kindliche Sprachentwicklungsstörungen (Kinder können bestimmte Laute nicht aussprechen oder die Grammatik ist auffällig), Stimmstörungen (eine Stimme klingt rau, belegt, kratzig, die Stimme versagt, …), Aphasien (sog. Schlaganfälle), Stottern, Lese-Rechtschreibschwäche, Myofunktionelle Störungen (z.B. ein nicht korrektes Schluckmuster bei Jugendlichen, die eine Zahnspange tragen), etc. Störungsbilder sind eher allgemeine Oberbegriffe, die je nach Ursache, Symptomatik, etc. genauer differenziert werden. 

Das klingt nach einem spannenden Aufgabenfeld. Darf man denn auch als Azubi gleich in den praktischen Einsatz?
Zu unserer Berufsfachschule für Logopädie gehört eine Lehrpraxis. Hier behandeln die Schüler (m/w/d) bereits im ersten Ausbildungsjahr Patienten, und zwar nach Abschluss des theoretischen Unterrichtes in einem logopädischen Störungsbild. Auch praktische Methoden und Übungen zur Diagnostik und Behandlung sind zu dem Zeitpunkt im fachpraktischen Unterricht bereits erlernt worden. Die Schüler-Behandlungen finden unter Supervision der Lehrer statt, d.h. diese sitzen mit weiteren Schülern in einem Beobachtungsraum hinter einer Spiegelscheibe. 

Neben der praktischen Arbeit ist auch der Theorieunterricht ein fester Bestandteil der Ausbildung. Welche Schulfächer sind besonders wichtig? 
Die Stundentafel der Logopädieausbildung umfasst Fächer u.a. aus dem medizinischen, psychologischen, pädagogischen und sprachwissenschaftlichen Bereich. Hervorzuheben aus der Vielzahl der Fächer sind Logopädie (d.h. theoretischer und fachpraktischer Unterricht zu den verschiedenen Störungsbildern) und Phoniatrie (eine medizinische Disziplin, aufbauend auf der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde; Phoniatrie beschäftigt sich mit den Formen der Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen).

Würden Sie eher zu einem Studium oder zu einer Ausbildung in der Logopädie raten?
Die Logopädie ist ein junger Beruf, entsprechend viel hat sich in den letzten Jahren hinsichtlich z.B. der Forschung getan. Dies war auch dringend nötig und macht sich natürlich inhaltlich auch in der Berufsfachschulausbildung bemerkbar. Seit ein paar Jahren besteht an wenigen Universitäten und Hochschulen die Möglichkeit, Logopädie auch zu studieren. Unsere Schule bietet seit kurzem als Kooperationspartner der OTH Regensburg die Möglichkeit, dort ausbildungs- und später berufsbegleitend den Bachelor-Studiengang Logopädie belegen zu können. Die umfassende Ausbildung an einer Berufsfachschule mit ihrem sehr hohen fachpraktischen Anteil ist jedoch unübertroffen, wenn es um die praktische Tätigkeit als Logopäde geht!

Und woran erkennt man Ihrer Meinung nach einen guten Logopäden?
Einen guten Logopäden erkennt man sicherlich an den Fortschritten in der Behandlung, aber auch an der Menschlichkeit, mit der er seinen Patienten begegnet; ein guter Logopäde verfügt sowohl über fachliche als auch über soziale Kompetenzen. Ansonsten sollte die Stimme gesund und belastungsfähig und die Artikulation störungsfrei sein. Auch die Bereitschaft, sich mit schwierigen wissenschaftlichen Inhalten auseinanderzusetzen, gehört zur Ausbildung und zum Beruf dazu. Ebenfalls sollte die Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Handels bestehen. 

Was würden Sie jemandem raten, der diesen Berufsweg einschlagen möchte?
Ich rate zu einem „Schnupperpraktikum“ in einer logopädischen Praxis, da man dort in der Regel eine umfangreiche Spannbreite der Störungsbilder erlebt und konkret den Arbeitstag einer Logopädin beobachten kann. Und ich lade herzlich zu einer der regelmäßig stattfindenden Informationsveranstaltungen an unserer Schule ein! 

Wie zukunftssicher würden Sie den Beruf des Logopäden einschätzen?
Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen nehmen aufgrund unterschiedlichster Ursachen immer mehr zu. Bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann der Bedarf an Logopäden nicht gedeckt werden; es herrscht Fachkräftemangel! Es gibt keine arbeitslosen Logopäden - ein Logopäde muss nicht dort leben, wo er Arbeit findet, sondern ein Logopäde kann dort arbeiten, wo er leben möchte.

Wie würden Sie den Beruf mit einem Satz beschreiben?
Es ist ein schöner, interessanter, abwechslungsreicher, die Freude an Sprache und am Umgang mit anderen Menschen voraussetzender, jedoch auch arbeitsintensiver Beruf mit besten Zukunftsaussichten, den ich jederzeit wieder ergreifen würde!

GUT ZU WISSEN... 

  • Logopäden behandeln Patienten mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder Hörstörungen
  • die Altersspanne der Patienten reicht vom Säugling mit Fütterstörungen bis hin zum älteren Patienten mit Schlaganfall
  • ein guter Logopäde verfügt sowohl über fachliche als auch über soziale Kompetenzen
  • es gibt keine Arbeitslosigkeit in dem Beruf

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