ARBEITSMARKT: ALTERNATIVE KARRIEREPFADE

Flughafen Stuttgart - Alternative Karrierepfade

WAS DARF'S SEIN? FÜHRUNGS-, FACH- ODER PROJEKTLAUFBAHN?

Konzept der alternativen Karrierepfade.

Dennis Huber, Personal- und Bereichsleiter bei der Flughafen Stuttgart GmbH, über das Konzept "alternative Karrierepfade".

Was genau versteckt sich hinter dem Konzept „Alternative Karrierepfade?
Wir wollen unseren Beschäftigten neben der klassischen Führungslaufbahn weitere berufliche Entwicklungsperspektiven im Unternehmen bieten. Die Fachlaufbahn und die Projektlaufbahn sollen in einem neuen Karrieremodell neben der Führungslaufbahn etabliert werden. Für jede Laufbahn soll ein eigenes Entwicklungsprogramm angeboten werden.

Was hat Sie zu dieser Veränderung veranlasst?
Zwischen 2025 und 2035 werden innerhalb von nur 10 Jahren ca. 40% unserer Mitarbeiter in den verdienten Ruhestand gehen. Wir wissen, dass wir uns in den kommenden Jahren nicht auf unserem spannenden Flughafenumfeld und der moderaten Fluktuation von ca. 5% ausruhen dürfen. Systematische berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sind sowohl für die Mitarbeiterbindung, als auch für die Mitarbeitergewinnung ein wichtiger Faktor. Intern wurde uns in diesem Bereich in der letzten Mitarbeiterbefragung bestehender Handlungsbedarf signalisiert. 

Dennis Huber

Dennis Huber, Personal- und Bereichsleiter der Flughafen Stuttgart GmbH

"Für jede Laufbahn soll ein eigenes Entwicklungsprogramm angeboten werden."

Flughafen Stuttgart GmbH
Flughafenstraße 32
70629 Stuttgart

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Umsetzung?
Wir wollen weg vom „Flaschenhalsprinzip“ der exklusiven Führungslaufbahn und unseren Mitarbeitern adäquate Alternativen aufzeigen, die ihren individuellen Fähigkeiten und Stärken entsprechen. Auf die Frage nach Entwicklungsperspektiven wollen wir in Vorstellungsgesprächen zukünftig ein Karrieremodell auf den Tisch legen können, in dem sich möglichst viele Bewerber wiederfinden. Wir sind davon überzeugt, dass die kompetenzgerechte Förderung sich positiv auf die Motivation und die Verbundenheit unserer Mitarbeiter auswirken wird.

Warum setzen Sie verstärkt auf die Fachkarrieremöglichkeiten? 
Für die Entwicklung und den Betrieb unserer komplexen technischen Anlagen und Systeme sind wir auf hochspezialisierte Experten angewiesen. Häufig steuern diese zwar Fremdpersonal, führen aber keine eigenen Mitarbeiter. Hier wollen wir Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen ohne künstlich Führungspositionen konstruieren zu müssen. 

Ist die Fachkarriere dann gleichberechtigt gegenüber der Führungskarriere?
Unser Karrieremodell sieht eine Gleichberechtigung bis zur 2. Führungsebene (Gruppenleiter = Senior Expert = Senior Projektmanager) vor. In Einzelfällen wird es auch Executive Stellen auf Ebene der Abteilungsleiter geben. Es ist uns jedoch bewusst, dass wir die Führungslaufbahn attraktiv halten müssen. Als Multiplikatoren und Vorbilder prägen unsere Führungskräfte die Unternehmenskultur. Für die Umsetzung unserer Strategie und die weitere Entwicklung unseres Unternehmens sind wir auf kompetente und motivierte Führungskräfte angewiesen, die sich mit unseren Zielen identifizieren. Deshalb dürfen unsere Führungskräfte nicht das Gefühl haben, links und rechts auf alternativen Karrierepfaden überholt zu werden.


"Als Multiplikatoren und Vorbilder prägen unsere Führungskräfte die Unternehmenskultur."


Wie sieht die Umsetzung des Konzepts aus?
In einem ersten Schritt haben wir die Stellen in unserem Unternehmensorganigramm zum 01.03.2017 der jeweiligen Laufbahn zugeordnet. Die Einrichtung zusätzlicher Laufbahnstellen erfolgt seither bedarfsgerecht auf Initiative der Fachbereiche. Dabei setzen wir auf „hohe Attraktivität durch relative Seltenheit“ und werden die Zahl der zusätzlichen Laufbahnstellen begrenzen. 

Wird das Konzept von der Belegschaft angenommen?
Zu Beginn gab es durchaus auch kritische Stimmen. Die Kollegen fragten nach dem Mehrwert und befürchteten eine Schlechterstellung gegenüber der einheitlichen „Führungslaufbahn“. Mit unserem auf das neue Karrieremodell zugeschnittenen Entwicklungsprogramm konnten wir zwischenzeitlich viele Kollegen überzeugen. Dieses sieht ein Basismodul mit drei 2-tägigen Kommunikationstrainings für alle Laufbahnen vor. Darauf aufbauend gibt es laufbahnspezifische Zusatzmodule. 

Wird die Erweiterung der Organigramme um Experten- und Projektstellen alle Unternehmensbereiche betreffen?
Ja. Alle Unternehmensbereiche können alternative Laufbahnstellen einrichten. 

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie, die „neuen“ Laufbahnkarrieren bei sich zu etablieren?
In der internen Wahrnehmung bleibt die Etablierung als gleichwertige Alternative eine Herausforderung. Neben dem Zugang zu Weiterbildungsangeboten und der Bezahlung spielen dabei vor allem die sichtbaren „Insignien der Macht“ eine bedeutende Rolle. Dabei denke ich bspw. an die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel oder die Einbindung in bestimmte Informationsstrukturen und Entscheidungsgremien.

Können alle Mitarbeiter die neuen Karrieremöglichkeiten in Anspruch nehmen oder gibt es bestimmte Auswahlkriterien?
Wir haben Anforderungen für die einzelnen Laufbahnebenen definiert. In der Projektlaufbahn muss um Beispiel eine bestimmte Anzahl von (Groß-)Projekten erfolgreich geleitet worden sein. Alle Laufbahnstellen werden intern ausgeschrieben und über ein auf die jeweilige Stelle zugeschnittenes Assessment-Center besetzt. 

GUT ZU WISSEN... 

  • Die Fach- und die Projektlaufbahn wird in einem neuen Karrieremodell neben der Führungslaufbahn etabliert
  •  Berufliche Entwcklungsmöglichkeiten sind für die Mitarbeiterbindung und -gewinnung wichtig
  • Die Fach- und Projektlaufbahnen werden intern ausgeschrieben und über ein Assessment-Center besetzt

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